Dienstag, 11. Dezember 2007

Ein Plädoyer gegen Hass und Missgunst

Ich kann diese Offroader-Hysterie einfach nicht verstehen. Ein Geländewagen verbraucht gegenüber einem herkömmlichen Auto lediglich einen Drittel mehr Treibstoff. Bei den rund 100`000 SUV, die auf den Schweizer Strassen unterwegs sind, macht das etwa einen CO2 Mehrausstoss, der vergleichbar ist mit drei Flugzeugen, die voll beladen mit links-grünen Rucksacktouristen nach Südamerika und wieder zurück fliegen.

Hat dich schon mal ein Rasta-Kopf vor der Migros angesprochen, ob du bereits für die Anti-Rucksacktouristen-Initiative unterschrieben hast? Bestimmt nicht. Denn diese alternativen Weltverbesserer sind selber Rucksacktouristen, die gerne nach Honduras oder Guatemala fliegen, um Individualferien fern vom Massentourismus zu erleben. Dort unten lassen sie sich dann von Einheimischen auf der Ladefläche eines Pick Up, wohlbemerkt ohne Katalysator, an Mayastätten und Wasserfälle chauffieren und finden es ein mega Erlebnis. Durch den Urwald rasend, unter freiem Himmel, hinten im Pick Up. Pure Freiheit!

Wieder zurück in der kalten und doch so stieren Schweiz missgönnen sie dann dieses schöne Gefühl denjenigen, die hart gearbeitet haben für ihren Wohlstand und den unseres Landes. Purer Neid treibt diese Gutmenschen dazu, Autos von Menschen zu zerkratzen und mit fiesen Klebern zu tapezieren, die in Berufen arbeiten, in denen ein 18 Stunden Tag nichts Ungewöhnliches ist.

Offroader sind lebensgefährlich für unsere Kinder! Ein weiteres Argument, das man oft aus dem links-grünen Lager hört. Doch wollen nicht genau diese Kräfte, dass Drogen in unserem Land legalisiert werden? Verteilen nicht diese Sozialromantiker Spritzen an Heroinabhängige, welche die Junkies dann im Vollrausch auf dem Spielplatz liegenlassen? Sind es nicht genau diese Väter, die ihre Kinder provokativ in Veloanhänger zwischen 60-Tönnern und rücksichtslosen Fahrradkurieren hindurch steuern?

Warum gilt dieser angeblich umweltpolitisch motivierte Kampf gerade den Offroadern? Es gibt Hunderte von anderen Dingen, die unserem Planeten viel mehr Schaden zufügen als diese paar Geländewagen. Was ist mit all den Indoor-Hanf-Plantagen, die soviel Strom verbrauchen wie eine Kleinstadt? Oder den Sprayern, die mit Gift auf Wände sprühen, welche man wieder mit Gift reinigen muss? Wer spricht von den Wakeboardern, die sich Stundenlang von leistungsstarken Booten durch die Schweizer Seen ziehen lassen? Oder den Schneekanonen? Alles ebenfalls nicht Klimaneutral. Aber sorgt halt für Fun.

Ich hege den Verdacht, hier sucht sich eine Gruppe frustrierter Umweltstudenten einen Sündenbock, an dem sie ihren Hass entladen kann. Und da kommt der erfolgreiche Geschäftsmann gerade richtig.

Man wählte ein Statussymbol, das Eleganz und Kraft ausstrahlt: Das Automobil der Erfolgreichen. Es entsteht Missgunst. Und mit Missgunst lässt sich leicht Hass mobilisieren. Denn immer nur an Blocher und der SVP herummeckern macht auf die Dauer auch keinen Spass. Und schon gar keine Wahlen gewinnen, wie wir diesen Herbst beobachten konnten. So sucht die Linke nach neuen Sündenböcken. Ein Gegner, der nicht sprechen kann, ist ein einfacher Gegner.

Sehr geehrter Herr Köppel, mit dieser Schreibprobe bewerbe ich mich für ein Praktikum bei der Weltwoche.

Habe ich ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf das Vorstellungsgespräch.

Mit liberalen Grüssen

Köbi Bünzli

Von: Köbi Bünzli tricky at lux-us.ch

An: Roger Köppel roger.koeppel at weltwoche.ch

Betreff: Leseprobe

Gesendet: 11.12.2007 17.52 Uhr

Kommentare:

  1. vielen dank für diesen tiefgründigen text.
    heute hatte meine s12 6 minuten verspätung. ich rufe deshalb alle parlamentarier dazu auf, den dafür verantwortlichen uvek departementschchef moritz leuenberger bei der morgigen bundesratswahl nicht widerzuwählen.

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  2. das erinnert mich an meine politdebatte. welche ich heute im französischunterricht führen musste. um rasch aufzuklären: die ganze geschichte war rein fiktiv; es ging um ein einkaufszentrum, welches an stelle eines kindergartens gebaut werden sollte. ich vertrat selbstverständlich die rolle des liberalen befürworters des supermarktes. Mit "Weltwoche"-tauglichen Argumenten putzte ich mein Gegenüber runter und konnte die Klasse überzeugen, dass jeder Befürworter eines (natürlich vom Steuerzahler bezahlten) Spielplatzes mit seiner Haltung die Arbeitslosigkeit unterstützt, sowie gegen den Schutz unserer lieben Kinder vor kriminellen Auslandskindern und Drogendealern (wer für den Spielplatz ist ist für Jugendgewalt und für Drogen) ist und verwies dabei gleich auf den Anstieg der Jugendkriminalität, das Drogenproblem und die Umweltverschmutzung (die Bengel, welche an jeden Baum urinieren), welche wir den «Linken und Netten» zu verdanken haben. Ich machte mich glaubs nicht sehr beliebt bei meiner (übrigens sehr hübschen) Französischlehrerin.
    Aber Spass hats gemacht.

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  3. Lieber Bünzli,

    gerade zuerst: ich finde deinen Text scheisse.

    Wieso: die von dir angeprangerten Leute tun wenigstens irgendwas. Natürlich retten sie mit den paar Kleberli, die man mit Chemie von der Autoscheibe kratzen muss, den Planeten nicht. Aber sie tun wenigstens etwas. Du tust gar nichts. Nur reklamieren tust du.
    Weisst du, uns wird die ganze Zeit versucht zu erklären, dass wenn viele Leute wenigstens etwas kleines tun, dass dann im grossen etwas passieren kann. Und wenn das dann einige unterforderte Gymnasiasten bei einer genüsslichen Tüte langsam begreifen und anwenden, kommst du und machst alles kauptt.

    Oder anders gesagt: natürlich retten die Rucksacktouristen damit nicht die Welt. Aber sie kämpfen gegen eine der sinnlosesten Formen des Verpulverns von fossilem Brennstoff an. Denn: so sinnlos wie Offroader fahren, ist nach Südamerika reisen sicher nicht. Weil: mit einem Kleinwagen kannst du dein Kind auch in die Private Bilinguale Tagestätte bringen aber mit dem Velo kommst du jetzt gopfertelli einfach nicht nach Südamerika.

    Ausserdem nervt der Text, weil er in die Kategorie von Äusserungen gehört, die partout anders sein müssen. Genau so, und dafür muss ich dir meinen stilistischen Respekt ausdrücken - wobei das dann schon fast wieder ins Allerwertesten lecken hineinläuft, wie das die Weltwoche in peinlicher Manier Woche für Woche macht.

    Es ist einfach nicht so, dass anders gleich gescheit ist. Natürlich ist anders geil. Nur schon, wenn man das anders schreibt und sich dabei so leicht auserwählt vorkommt, ist das natürlich schon geil. Aber gescheit ist es deswegen noch lange nicht.
    Nein, gescheit und tiefgründig (wie das der muff nennt) ist was anderes. Wer nämlich gescheit ist, hat Lösungen oder zumindest gute Fragen zu so einem Thema. Und tiefgründig ist nicht, wer einfach im Ablasskonto von ein paar Gutmenschen guselt, um sich dabei selbst schon auf dem Sockel beziehungsweise in der Weltwochenredaktion zu sehen. Sonder tiefgründig ist, wer etwas hervorbringt, das ihm wirklich zu schaffen macht. Denn die Welt geht nämlich wirklich hopps. Aber das, lieber Bünzli, überschreibts du mit ein paar locker aus er Hüfte geschriebenen Zeilen. Wahrscheinlich nur, weil du, wie ich im Übrigen auch, keine Ahnung hast, wie wir mit dieser Scheiss-Klimaveränderung umgehen sollen. Weil dir das, wie mir auch, eine Scheiss-Angst einjagt. Eine existenzielle, tiefe Angst und ein dickes Gefühl von Ohnmacht. Oder wieso sonst kommst du auf die blöde Idee, die wenigen Menschen, die ihren Finger aus dem Arsch gezogen haben und bei 3°C Unterschriften sammeln für eine wirklich gute Sache, für deine eigene Profilierung vor dem Köbeli so herablassend und verbittert zu zerschreiben?

    Schade, lieber Bünzli, aber da nützt auch dein heuchlerischer "Liberaler Gruss" nichts mehr: Ich hätte mehr erwartet.

    Gruss

    Dabu

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  4. @dabu: zuoberst auf dieser website steht in grossen lettern geschrieben: S A U G L A T T I S M U S
    ich habe in diesem text eine ironisierung der weltwoche in form einer sprachlichen, satirischen übertreibung gelesen.

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  5. Hey Dabu, von diesem Standpunkt her muss ich dir Recht geben.
    Ich werde das Ganze nochmal überdenken.
    Vielen Dank für das sanfte Öffnen meiner Augen.

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  6. Gern geschehen. Immer wieder gerne. Ich bin ja auch als sanfte Oase inmitten der wüsten Gangsterrapper bekannt. Und hatte einen Höllenspass beim Schreiben. So wie du ja auch. ;-)

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  7. und @ygeee:

    hat dir deine mutter nicht gesagt: hinter ironie versteckt sich oft ein körnchen wahrheit. oder so.
    zumindest im rap ist das so. ich sage: ich möchte schlampen ficken und erkläre dann im interview das sei alles nur ironisch und entertainement.
    von dem her, sorry, bünzli, das war ja nur entertainement. und ich bin ja so was von ironisch entertainet!

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  8. Herr Bünzli, big big up! Grandios! Weltklasse

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