Dienstag, 15. Januar 2008

Liebe zum Glück

Nach der Absetzung der semi-genialen Telenovela Lüthi und Blanc hat die Schweizer Medienlandschaft endlich wieder ihre Seifenoper. Ihr wisst schon, Liebe, Leidenschaft, Schicksale und Intrigen; Katia hat Volker betrogen, Maria ist schwanger, und ob Esther wohl Manuels Antrag annimmt, erfahren wir nächste Woche wieder um halb sieben. Miserable schauspielerische Leistung und schlechte Dialoge, untermalen von kitschiger Klaviermusik, runden die Trash-Ästhetik perfekt ab; neben Gerichtsshows und Dauerwerbesendungen für englische Kissenbezüge wohl etwas vom langweiligsten und dennoch unterhaltsamsten, was einem das Fernsehen an einem verkaterten Freitagnachmittag (der urbane Trendsetter des 21. Jahrhunderts geht am Donnerstag abstürzen und macht Freitags blau) bieten kann.

Liebe zum Glück
, so der Name der offiziell ersten Internet-Soap der Schweiz, erzählt auch hier dramatische und herzergreifende Storys junger Liebenden und erweist sich dabei als höchst amüsante Unterhaltung, die Klassikern wie Gute Zeiten, Schlechte Zeiten oder Marienhof in nichts nachsteht. Die Szenerie spielt sich jedoch nicht in einem billigen, auf Café getrimmten Studio ab, sondern direkt im pulsierenden, urbanen Umfeld des Zürcher Langstrassenquartiers.
So springen einem in der am Donnerstag veröffentlichten Erstfolge auch gleich bekannte Gesichter des Zürcher Nachtlebens in die Augen, ja sogar Staraufgebot der hiesigen Cervelat-Prominenz ist vertreten: Die Hackfresse von Viva beispielsweise spielt den schwulen Liebhaber von Trendscout Justin, gespielt vom Zürcher Szene-Phänomen und Blödelrapper G.I. John, und Popsternchen Arjeta "Ari" Zuta steuert, neben ihrer Rolle als "sich selbst", auch gleich den ultimativen Titelsong bei. Doch damit nicht genug: Laut offizieller Homepage kommen in den verbleibenden 13 Episoden noch weitere legendäre Köpfe der Schweizer Promilandschaft zum Zuge; Allstar Denis Bondi etwa, Mister Schweiz Tim Wielandt oder das Wiediker Lokal-Reggaewunder Phenomden werden uns ihre auswendig gelernten Sätze in schönem, etwas helvetisch klingendem Bühnenhochdeutsch vortragen (übrigens ein weiteres Highlight) und für Lacher sorgen; wir dürfen also gespannt sein.

Fazit: Eine durchaus gelungene Hommage an die trashigen Seifenopern vom Nachmittagsprogramm, welche, gerade wegen ihrer Amateurhaftigkeit, vielleicht auch wegen den vielen bekannten Gesichtern, auf gutem Wege zur Kultserie ist.
Ich freue mich bereits auf die nächste Folge und vergebe hiermit meine Benotung, viereinhalb von fünf Sauglattismus-Sternen.

Image Hosted by ImageShack.us


Liebe zum Glück erscheint wöchentlich immer am Donnerstag hier.

Kommentare:

  1. urban ist der neue bünzli. eine gesunde mischung aus zora off, der "heute"-community-singles und streetstyle.

    AntwortenLöschen
  2. super tv kritik! kommt nahe an die tv-rezensionen von altmeister gion mathias cavelty. jetzt habe ich auch noch ein wenig namedropping betrieben.

    AntwortenLöschen
  3. "Liebe zum Glück" ist super! Aber die Macher hinter den Kulissen sind arrogante Arschlöcher die keine Ahnung haben. Da habe ich doch den Idioten eine ganz nette Email mit einem semi-genialen(sic!) Vorschlag geschrieben und die lassen einfach nichts von sich hören.

    Am 11.01.08 schrieb Koebi Buenzli sauglattismus@gmail.com:

    Sehr geehrte Damen und Herren

    Mein Name ist Köbi Bünzli und ich bin der Chefredaktor von sauglattismus. Mit Begeisterung habe ich mir heute auf heute-online.ch die erste Folge Ihrer grossartigen Soap-Opera angesehen. Ich bin Fan! Sehr gerne würden wir auf unserem Blog regelmässig über "Liebe zum Glück" berichten und den Stream zur Serie aufschalten. Wenn sie an einer Zusammenarbeit interessiert sind, lassen Sie es mich wissen.

    Es grüsst freundlichst,

    Ihr Köbi Bünzli

    -----------------------------------------
    Chefredaktor
    sauglattismus

    AntwortenLöschen
  4. Das sind halt Kreative, die sind eben etwas exzentrisch. Dafür urban.

    AntwortenLöschen
  5. die volle punktzahl hätte vergeben werden müssen wäre "alles verloren" von bushido in der letzten einstellung nicht nur angespielt worden, heute singles lassen grüssen!

    AntwortenLöschen
  6. @köbi bünzli,

    an wen hast du das geschrieben?

    sorry, das ging vielleicht unter, da mehrere personen da und dort daran arbeiten.

    klar freut uns das, wenn ihr darüber berichtet!

    wegen dem streamen muss ich noch abklären, wegen heute-online.

    sobald ich da mehr weiss werde ich dir eine mail schreiben.

    liebe grüsse zum glück

    AntwortenLöschen
  7. ich finde "liebe zum glück" ein scheiss. aber ich schaue es trotzdem.
    zu dem "trash-faktor" kann ich nur sagen "no go".
    die sind alle zu verknorzt und getrauen sich nicht vollgas zu geben weil sie sich nicht sicher sind ob sie später nicht zu lüthiundblanc 2 wechseln wollen.
    die stehen nicht drüber sondern sind mitten drin und das merkt man, wie die sich mühe geben.
    das ist leider noch kein cooler trash.
    die getrauen sich irgendwie nicht wirklich was, die szene-trend-nurave-künstler. schade auch, dass es auf hochdeutsch ist.

    bin etwas enttäuscht, dass an dieser stelle so positiv darüber geschrieben wird.
    ich hätte mehr erwartet!

    trotzdem freundlichste grüsse

    AntwortenLöschen
  8. vielleicht lockert sich die sache ja bei der zweiten staffel..

    AntwortenLöschen
  9. Hier geht es nicht in erster Linie um Qualität, sondern um den Sauglattismus-Faktor. Und der erreicht bei "Liebe zum Glück" Rekordhöhen (wie übrigens bei "Lüthi und Blanc" auch).

    AntwortenLöschen
  10. wär ich welt, hätt ich darauf gewartet!

    AntwortenLöschen